Eugen Biser
>> Gott im Horizont des Menschen<<
 
Rezension in Stimmen der Zeit, 04 / 2002, Band 221:

  Theologie

BISER, Eugen: Gott im Horizont des Menschen. Hg. v. Peter JENTZMIK. Limburg: Glaukos 2001. 192 S. Br. 14,90. 
Ders.: Nur der Friede rettet die Welt. Limburg: Glaukos 2002. Hörbuch. Audio-CD (Oberbergener Vorträge. 1.) 15.

 Das Büchlein versammelt eine Reihe von meisterhaften Beiträgen des Theologen Eugen Biser, der bis 1989 den Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Münchener Universität innehatte und der am 6. Januar 2003 in geistiger Frische seinen 85. Geburtstag begehen konnte. Die einzelnen Aufsätze sind thematisch miteinander vernetzt und ergeben insgesamt ein konzises Panorama von Bisers Grundideen, die auf geistige und politische Entwicklungen der Gegenwart bezogen sind. So entsteht eine theologische Zeitdiagnose, welche die Gottesfrage und das Christus-Geheimnis ins Zentrum rückt. Im einzelnen befaßt er sich mit dem epochalen Gestaltwandel des Unglaubens, dem „ozeanischen Atheismus" und reflektiert auf diesem Hintergrund unter der Überschrift „Licht und Finsternis" das christliche Gottesbild.

 Das Besondere dieses Gottesverständnisses besteht in der Botschaft eines Gottes der Liebe, deren Positivität Biser zum einen gegen den exegetisch forcierten Eintrag der Gerichts- und Opferthematik verteidigen und zum anderen mit dem „politischen und mystischen Zeitgeschehen" synchronisieren möchte. Gegenüber dem ambivalenten, „zwischen Schrecken und Faszination oszillierenden Gott der Menschheitsgeschichte" (54) hebt Biser die religionsgeschichtlich innovative „Entdeckung des bedingungslos liebenden Gottes" durch Jesus hervor und beklagt zugleich den mangelnden theologischen Zeitbezug hinsichtlich des Freiheitsjahres 1989.

 Im „Aufriß einer therapeutischen Theologie" fordert er eine Selbstkorrektur der Theologie, welche verlorene Dimensionen wiedereinholen müsse: darunter die ästhetische, soziale und therapeutische. Denn die christliche Religion habe ihr Zentrum in der Auferstehungsbotschaft, die es mit der Überwindung des Todes und der Angst aufnehme und in aller Sinnlosigkeit Sinn vermittle, bis hin zum Sinn des Leidens. Gegenüber der Dominanz der historisch-kritischen Methode plädiert Biser im Anschluß an die paulinische Christus-Mystik für eine „Christus-Hermeneutik", die in einem Denken mit und in ihm besteht und einen Perspektivenwechsel darstellt. Das Buch klingt im wahrsten Sinn des Wortes aus mit der Frage nach einem „musikalischen Gottesbeweis", entfaltet am Schlußchor der neunten Symphonie Ludwig van Beethovens. 

In allen Beiträgen sucht Biser das kritische Gespräch mit Theologen wie Soeren Kierkegaard, mit Philosophen wie Karl Jaspers und Friedrich Nietzsche, aber auch mit Literaten und Musikern. Vor allem aber sind all seine Beiträge immer biblisch grundiert. Bei den Kirchenvätern ist Biser in manche Zitate so verliebt, daß sie öfter auftauchen (Gregor von Nyssa, 40, 115, 152). Die geschliffenen und anregenden Texte Bisers werden in einer gediegenen und vorbildlichen Aufmachung präsentiert, die eigene Erwähnung verdient. Ergänzt werden sie durch eine im selben Verlag erschienene CD, die einen magistralen Vortrag Bisers zur Friedensthematik enthält.

        Durchgehend plädiert Biser für ein Verständ   nis des Christentums als einer „mystischen Re­ligion", nicht einer moralischen Religion. Darin wird man ihm ebenso zustimmen wie in seiner theologischen Konzentration auf die innova­tive, das Gottesbild revolutionierende Reich­-Gottes‑Botschaft Jesu und auf die tod- und angstüberwindende Auferstehung Jesu. Daher wird man das Büchlein in der epochalen Situa­tion mit zeitdiagnostischem und theologischem Gewinn lesen.                                                                    

 Michael Sievernich SJ

 

 (entnommen aus: Stimmen der Zeit, 04/2002, S. 281)
 

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